Wann kommen Kübelpflanzen im Frühjahr ins Freie?

Oft locken Sonne und warme Temperaturen bereits im sehr zeitigen Frühjahr und bringen uns in Versuchung, den floralen Schätzen schon recht früh im Jahr einen angemessenen Standort im Freien zu gönnen. Natürlich spricht wenig dagegen, solange bedacht wird, dass an schattigen Standorten die Temperaturen schnell wieder abfallen können und der Nachtfrost den mühevoll überwinterten Pflanzen immensen Schaden zufügen kann.

Die Gefahr von Nachtfrösten ist in vielen Regionen bis Ende Mai gegeben, in klimatisch rauen Gegenden sogar noch bis weit in den Juni hinein. Weithin bekannt sind sicherlich die Eisheiligen, die Tage vom 11. bis 15. Mai, welche nach den Heiligen Mamertus (Bischof von Vienne, 11. Mai), Pankratius (frühchristlicher Märtyrer, 12. Mai) , Servatius (Bischof von Tongeren, 13. Mai), Bonifatius (frühchristlicher Märtyrer, 14. Mai) und Sophia (frühchristliche Märtyrin, 15. Mai) benannt sind. Aufgrund der Gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 ist diese Wetterregel aus dem Julianischen Kalender heute etwa 10 Tage später anzusetzen.

Neben drohenden Nachtfrösten gibt es im Frühjahr eine weitere, häufig sehr unterschätzte Gefahr für unsere Pflanzen. Nach den lichtarmen Monaten im Winterquartier ist das Blattwerk der Kübelpflanzen die Einstrahlung der Sonne nicht mehr gewohnt. Zumeist ist ein vollsonniger Standort im Freien nach der langen Zeit einer Überwinterung gut gemeint, bringt jedoch bald Ernüchterung und die Einsicht, dass übereilt gehandelt wurde. Es zeigen sich braune, unregelmäßig geformte Flecken auf dem Blattwerk, die Blätter der Pflanzen werden schnell fahl und vertrocknen in der Folge eines Sonnenbrands. Genau wie unsere Haut, bekommen auch Pflanzen einen Sonnenbrand. Diese Schädigung der Pflanzen sollte umgangen werden, indem die Kübelpflanzen nach dem ersten Ausräumen erst langsam wieder an die Sonneneinstrahlung gewöhnt werden. Die Zeit des Sonnenbades wird über einen Zeitraum von 1 bis 2 Wochen täglich etwas erhöht, bis sich die jeweilige Pflanze wieder an die Sonne gewöhnt hat. Empfehlenswert für einen Einstieg ins Freilandleben sind für Kübelpflanzen vorerst halbschattige Standorte.

Weiterhin ist die (Temperatur-) Empfindlichkeit der jeweiligen Pflanzenart beim Ausräumen aus dem Winterquartier zu bedenken. Robuste mediterrane Gewächse können wesentlich früher im Freien bestehen, als empfindlichere exotische Gewächse oder gar Pflanzen aus tropischen Gefilden. Vertreter der mediterranen Flora gehören im Herbst mit zu den letzten Pflanzen, die ins geschützte Winterquartier Einzug halten, ebenso sind es die ersten Kübelpflanzen, denen ein dauerhafter Freilandaufenthalt zu Teil wird.
 
Grundsätzlich gilt, dass ein früher Start in die Freilandsaison für Kübelpflanzen immer besser ist, als ein zu langer Aufenthalt im Winterquartier. Jedoch sind die Witterungsbedingungen mit den Bedürfnissen der Pflanzen in Einklang zu bringen. Es sollte peinlich darauf geachtet werden, dass die Minimaltemperatur, bei der sich eine Pflanzenart wohl fühlt, duchgängig gewährleistet ist. Auch wenn bereits ausgeräumte Pflanzen nochmals zum eigenen Schutz aufgrund sinkender Temperaturen oder Frostgefahr an einen sicheren Standort umziehen müssen, lohnt die Mühe des frühzeitigen Ausräumens allemal. Der frische Austrieb erfolgt im Freien in natürlicher Form, die neuen Triebe vergeilen nicht und müssen damit nicht dem Spätwinterschnitt zum Opfer fallen. Die Anfälligkeit für Schädlinge wird durch frühzeitiges Ausräumen ebenfalls drastisch reduziert.